Seeshaupt im April
Das Mahnmal und seine Geschichte

 

MahnmalAm 30. April 1995 wurde das Mahnmal an der Bahnhofstraße aufgestellt – zur Erinnerung an den 30. April 1945, als amerikanische Soldaten etwa 2000 KZ-Häftlinge am Seeshaupter Bahnhof aus einem Güterzug befreiten. 63 hatten die tagelange Irrfahrt vom Außenlager Mühldorf des KZ Dachau nicht überlebt, ihre Leichen wurden in einem Massengrab am Seeshaupter Friedhof bestattet. Auch unter den Überlebenden aus dem Zug waren zahlreiche Schwerstkranke - nicht nur vom oft jahrelangen Leidensweg entkräftet, sondern auch noch verletzt durch Tieffliegerangriffe in Poing. Sie wurden auf Geheiß der Amerikaner ins „Hospital 2003 Seeshaupt“ gebracht, wie das Seuchenlazarett im Strandhotel Lido damals offiziell hieß, wo bis Ende Juni 1945 noch mal 21 Menschen verstarben; sie wurden im heutigen Lidopark beerdigt. 1955 bzw. 1956 wurden alle Toten aus dem Häftlingstransport nach Dachau überführt.  

Das Seeshaupter Mahnmal, eine über zwei Meter hohe Eisensäule, wurde dank des Engagements des Seeshaupter Arzt und damaligen Gemeinderates Dr. Uwe Hausmann aufgestellt. Die Initiative war anfangs nicht unumstritten, auch deswegen, weil sich noch viele Einheimische mit Schrecken an die von den Amerikanern geduldeten Plünderungen einiger KZ Häftlinge erinnerten. Doch inzwischen ist das Mahnmal fester Bestandteil im Ortsleben, nicht zuletzt wegen der alljährlichen Gedenkfeier am Jahrestag, zu der schon so prominente Redner wie Hildegard Hamm-Brücher, Hans Jochen Vogel, Max Mannheimer, Heiner Geißler, Johanno Strasser oder Renate Schmidt kamen.

Louis Sneh ist einer der über 30 Überlebenden aus dem KZ Zug, die zur Einweihungsfeier am 30. April 1995 nach Seeshaupt gekommen waren. Als 17-jähriger „Lajos Szunyogh“ wurde der ungarische Jude am 30. April 1945 in Seeshaupt befreit; seither hat der amerikanische Geschäftsmann jahrzehntelang den „Ort seiner Wiedergeburt“ besucht – immer anonym, bis er 1994 durch Zufall von der Mahnmalinitiative erfuhr.  

 

Buchtitel: Damals im April, ISBN-Nr. 978-3-9812061-1-1

 
   

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